Mölln 1992. Wieso wir Betroffenen unser Gehör schenken sollten

Beitrag von Mariama Ceesay

„Wieso wir Betroffenen unser Gehör schenken sollten, als ihre Stimmen zu ignorieren oder andere Menschen über sie sprechen zu lassen“ 

Ibrahim Arslan hat uns seine Geschichte erzählt. Ich bewundere diesen Mut, diese Kraft und diese Ausdauer. Ibrahim Arslan hat sich 1992 in seinem Wohngebäude mit seiner Familie befunden. Auf das Gebäude der Familie, in dem auch andere türkischstämmige Familien wohnten, wurde ein Brandanschlag von rassistischen Menschen verübt. Ibrahim hat den rassistisch motivierten Brandanschlag überlebt, seine kleine Schwester, seine Oma und seine Cousin überlebten nicht. Sie wurden ermordet. 1992 wurde also deutlich, dass Rassismus zum Tod führen kann, aber auch davor und danach wurden/werden Schwarze Menschen und PoC ermordet, weil sie Schwarze Menschen und PoC sind oder als diese gelesen wurden/werden.

Laut der Amadeu Antionio Stiftung sind es seit 1990 208 Todesopfer und 13 Verdachtsfälle. Diese Zahl ist wahrscheinlich aber auch noch höher. William Tonou Mboba wurde auf dem Hof des Hamburger Uniklinikums Eppendorf 2019 von Security-Personen ermordet. 2009 war er aus Kamerun nach Hamburg gekommen, um an der Universität Hamburg zu studieren. Seitens der Angestellten des Krankenhauses hat es bis heute (Januar 2021) noch kein Eingeständnis gegeben, dass es sich hier um einen rassistischen Mord handelte. Die Hamburger Justiz hat den Todesfall ebenfalls immer noch nicht als (rassistischen) Mord anerkannt.

Ich habe mich mit anderen Schwarzen Menschen und PoC mit Williams Schwester und seinem Cousin zusammengesetzt, um über den Verlauf des Prozesses seit Williams Ermordung zu sprechen. William habe sich aufgrund von psychischen Leiden selbst in die psychiatrische Klinik einweisen lassen, um sich dort helfen zu lassen. Ihm seien Medikamente verabreicht worden, welche ihm nicht gut getan haben und auch der Umgang mit ihm soll sehr aggressiv gewesen sein. Schwarze Menschen und insbesondere Schwarze Männer tragen unter anderem die Stigmata mit sich, aggressiv und kriminell zu sein. Laut der Familie wurde William auch so behandelt. In ihm sei ein ein großes Gewaltpotenzial, obwohl sie ihn als sehr sensiblen und zurückhaltenden Menschen in Erinnerung haben. Die Folgen, die Rassismus und Stigmatisierung mit sich bringen können, sollen der Grund für seinen Mord gewesen seien. Das Todesopfer wird zum Täter und die Rassismuserfahrungen werden dethematisiert und negiert. Sein Tod wird als Unfall in Folge eines unaufgeklärten Herzversagens abgetan.

Betroffenen muss zugehört werden. Rassismus als strukturelles Problem muss anerkannt werden. Mein und dein eigener Rassismus aus Betroffenen- oder Nicht-Betroffenen-Perspektive muss reflektiert werden.

Denn Rassismus tötet Menschen.

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