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Antiziganismus erkennen, verstehen und begegnen im Bildungsbereich

Schulsozialpädagoge Marko D. Knudsen (Bildungsverein der Roma zu Hamburg e. V.) führt in das Thema „Antiziganismus“ ein und hilft anhand des gesellschaftlich herrschenden Antiziganismus über stereotype Denk- und Erklärungsansätze aufzuklären– ein wichtiger Schritt für eine Zukunft mit weniger Diskriminierung. Die Geschichte der Roma und Sinti und Praxisbeispiele aus der täglichen Arbeit werden weitere Themen des Vortrages sein. Kommen Sie mit Marko D. Knudsen ins Gespräch, denn es gibt keine bösen Fragen – nur böse Behauptungen!

Zur Person: Marko D. Knudsen ist seit 30 Jahren aktiver Roma Mensch und Bürgerrechtler. Er ist selbst Roma und Vorsitzender des Bildungsvereins der Roma zu Hamburg e.V. und des Europäischen Zentrums für Antiziganismusforschung sowie Autor der kompletten Geschichte der Roma und Sinti. Außerdem ist er tätig als Schulsozialpädagoge für das ReBBZ Hamburg und Roma und Sinti Beauftragter.

Termin: 04.02.21, 18:00-20:00 Uhr

Hinweis: Dieser Vortrag wird simultan gedolmetscht (Deutsche Gebärdensprache-Deutsche Lautsprache)

Subjekt – die Ordnung – das Lieben

Die Ordnung des Rassismus formt einen Raum der Subjektivierung, ein strukturierter und strukturierender Raum, in dem aus Individuen „Subjekte“ werden, deren Handlungsfähigkeit und Selbstverständnis mittels der Erfahrungen, die sie in dem Raum machen, an seine Struktur gebunden bleiben, diese aufnehmen, bestätigen, aber auch transformieren und modifizieren. In Text-Bruchstücken nähere ich mich diesem Zusammenhang.

Zur Person: Prof. Dr. Paul Mecheril ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Migration an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. Zuvor war er als Universitätsprofessor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (2011-2019) sowie der Universität Innsbruck (2008-2011) tätig.  Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Verhältnis von Zugehörigkeitsordnungen, Macht und Bildung.

Termin: 28.01.2021, 18:00-20:00 Uhr

Filmvorführung „RomaStories“ und Gespräch im Anschluss mit Stella Tsianios (Pädagogin), Babak Bataghva (Filmregisseur) und Marko D. Knudsen (Schulsozialpädagoge)

In dem Dokumentarfilm „RomaStories“ werden Romabiografien vorgestellt. Die Personen berichten von der eigenen Kultur, fern von Fremdzuschreibungen. Die Präsentation der eigenen Kultur steht im Vordergrund und nicht irgendeine Interpretation, welche Jahrhunderte von der Mehrheitsgesellschaft skizziert und analysiert wurde. Themen wie Diskriminierung, Antiziganismus, Geschichte, Bildung und Frauenrechte werden im Film angesprochen.

Im Anschluss gibt es ein offenes Gespräch mit Stella Tsianios (Pädagogin), Babak Bataghva (Filmregisseur) und Marko D. Knudsen (Schulsozialpädagoge), der auch eine kleine Einführung in die Thematik gibt.

Zur Person: Marko D. Knudsen ist seit 30 Jahren aktiver Roma Mensch und Bürgerrechtler. Er ist selbst Roma und Vorsitzender des Bildungsvereins der Roma zu Hamburg e.V. und des Europäischen Zentrums für Antiziganismusforschung sowie Autor der kompletten Geschichte der Roma und Sinti. Außerdem ist er tätig als Schulsozialpädagoge für das ReBBZ Hamburg und Roma und Sinti Beauftragter.

Termin: 21.01.2021, 18:00-21:00 Uhr

Die globale Verfestigung von weißen Privilegien

Der Vortrag führt die Teilnehmer*innen in eine afrikanisch-orientierte Kritik an dem Diskurs und der Politik von Entwicklungszusammenarbeit (Entwicklungshilfe) ein. Diese Paradigmen, Erzählungen, Instrumente, Konsequenzen und Ergebnisse werden aus einer afrikanischen Perspektive analysiert, welche die Teilnehmer*innen ermutigen sollen, ihre eigene Rolle in diesem vom System geförderten globalen Strukturen zu reflektieren.

Zur Person: Senfo Tonkam wurde als ehemaliger Student*innenenführer in Kamerun verfolgt und ins Exil gezwungen wegen seines Kampfes gegen den westlichen Neokolonialismus und die pro-westlichen Diktaturen in Afrika. Als politischer Flüchtling, Gelehrter und Community-Aktivist ist er Gründer der „Black Nation in Babylon-Germany“ und des Vereines „AFRICA UNITED SPORTS CLUB e.V.“ Früher lehrte er an der Universität Hamburg Antirassismus und Interkulturelle Kommunikation. Derzeit ist er als Sozialarbeiter tätig und arbeitet überwiegend mit Geflüchteten, Migrant*innen und den sogenannten „Papierlosen“ – auch im Bereich des Empowerments. Außerdem ist er Fußballtrainer und Referent. Senfo Tonkam ist ein politischer Analyst und Coach, der ausführlich  über soziale Bewegungen und Befreiungsbewegungen auf der ganzen Welt recherchiert und referiert. Er unterstützt aktiv Student*innenbewegungen, Frauenorganisationen, Gewerkschaften, Menschenrechtsgruppen, politisch verfolgte Aktivist*innen und Geflüchtete in Afrika und der Diaspora.

Termin: 12.01.2021, 18:00-20:00 Uhr

Vielfalt im Kinderzimmer

Wer sind die Heldinnen & Helden in unserer Kinderliteratur und wer wird im Spielzeug dargestellt? Warum ist Repräsentation aller Kinder so wichtig? Ein rassismuskritischer und diskriminierungssensibler Blick ins Kinderzimmer!

Zu den Personen: Tebogo Nimindé-Dundadengar (B.Sc. Psychologie) und Olaolu Fajembola (M.A. Kulturwissenschaften) sind die Gründerinnen von Tebalou – Vielfalt im Spielzimmer.

Termin: 05.01.2021 18:00-20:00 Uhr

Hinweis: Dieser Vortrag wird simultan gedolmetscht (Deutsche Gebärdensprache-Deutsche Lautsprache)

Diskriminierungskritische Bildung – ein Einblick

Der Vortrag beschäftigt sich anhand von Schule – Macht – Rassismus über Grundlagen hinaus mit der Frage, was rassismuskritische Bildung in Schule für zum Beispiel den Unterricht, die Schulentwicklung oder das Beschwerdemanagement bedeuten kann.

Zur Person: Saraya Gomis ist Lehrende, Lernende und Bildungsaktivistin. Ehrenamtlich ist sie bei EOTO aktiv.

Termin: 16.12.2020, 18:00-20:00 Uhr

Hinweis: Dieser Vortrag wird simultan gedolmetscht (Deutsche Gebärdensprache-Deutsche Lautsprache)

Diversitätssensibilität. Die Erweiterung der Professionskompetenz von (angehenden) Lehrer*innen

In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Karim Fereidooni auf die Konstruktion von ‚Normalität‘ in unserer Gesellschaft und in unterschiedlichen Bildungsinstitutionen ein und problematisiert diesen Konstruktionsprozess, weil dadurch Ausschlüsse entstehen. Ferner stellt er unterschiedliche Theorien und Studien zum Thema Diversitätssensibilität dar und präsentiert Maßnahmen, die darauf angelegt sind, mit Diversität konstruktiv umzugehen.

Zur Person: Prof. Dr. Karim Fereidooni ist Juniorprofessor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte sind Rassismuskritik in pädagogischen Institutionen, Schulforschung und Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft sowie Diversitätssensible Lehrer*innenbildung.

Termin: 30.11.2020, 18:00-20:00 Uhr

Labor 89: Intersektionale Bewegungsgeschichte/n aus West und Ost

Jahrestage und Jubiläen erlauben nicht nur eine momentane Erinnerung, sondern geben auch Anlass und Raum dafür, dass sich die kollektive Mentalität noch einmal neu sortiert und ausrichtet, dass Orientierungen und Werte gegebenenfalls neu verhandelt werden und dass sie sich neu legitimieren lassen. Dabei ist es wichtig, dass diese Erinnerungskultur keinem linearen Narrativ folgt, das in der Regel auf Bilder des nationalen Erfolgs setzt. Erinnerungspolitik muss mehr können und selbst einen Perspektivwechsel vornehmen, das heißt zu einer Perspektive werden, die mehr als die Mehrheitsgesellschaft in den Blick nimmt. Labor 89 setzt hier an und rückt mit den Portraits von acht Zeitzeug*innen aus Schwarzen und PoC-Communities Akteur*innen, aber auch Orte, Ereignisse und Diskurse in den Vordergrund, die in mehrheitsgesellschaftlicher Erinnerungspolitik nicht mitbedacht werden. Die Erzählung ihrer unterschiedlichen Geschichten eröffnet einen diasporischen Reflexionsraum, in dem die Transformationprozesse vor, während und nach dem Berliner Mauerfall der Komplexität der deutschen Vereinigung Raum so geben, dass marginalisierte Perspektiven von BPoC-migrantischen Kämpfen um Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und politische Teilhabe aus dieser Zeit sichtbarer werden.

Labor 89 schildert die Bedeutung der Maueröffnung in der kollektiven Erinnerung von BPoC-Bewegungen, beschreibt, wie sich öffentliche Räume für sie ganz konkret verengten, aber auch neue Möglichkeitsräume mit einer Vielzahl von Debatten, Aktionen, Netzwerken, Community-übergreifenden Projekten und der Erprobung neuer gesellschaftspolitischer Praktiken entstanden.

Das Buch: Peggy Piesche (Hg.): Labor 89. Intersektionale Bewegungsgeschichte*n aus West und Ost. Berlin 2020: Yılmaz Güney (http://www.yilmaz-gunay.de/index.php/9-aktuell/48-978-3-9817227-3-4-labor89)

Zur Person: Peggy Piesche ist Referentin für Diversität, Intersektionalität und Dekolonialität (D.I.D.) bei der Bundeszentrale für politische Bildung

Termin: 24.11.2020, 18:00-20:00 Uhr

 

Kontinuierlicher Rassismus seit den 80ern aus Perspektive der Betroffenen

Ibrahim Arslan ist Opfer und Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992. Er versucht seit 2007 bei jeder Gelegenheit die Perspektive der Betroffenen, seine Perspektive, in den Vordergrund zu bringen. Sein Ziel ist es die Gesellschaft zum Umdenken zu bringen indem er uns viel mehr mit den Opfern und Überlebenden beschäftigen lässt statt mit den Täter*innen. Wir interessieren uns immer für die Täter*innen, doch was ist mit den Opfern und Überlebenden? Dass dies so ist, ist ein kollektives Fehlverhalten dieser Gesellschaft, der Medien und der Politik. Dies ist zu ändern. Genau diese Lücke in der Gesellschaft versucht Ibrahim Arslan mit seinen Vorträgen und seinem Widerstand zu füllen: „Opfer und Überlebende sind keine Statisten, sie sind die Hauptzeug*innen des Geschehenen“ – Ibrahim Arslan

Zur Person: Ibrahim Arslan ist Opfer und Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Aktivist und mitwirkende Person beim Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Botschafter für Demokratie und Toleranz.

Termin: 16.11.2020, 18:00-20:00 Uhr

Hinweis: Dieser Vortrag wird simultan gedolmetscht (Deutsche Gebärdensprache-Deutsche Lautsprache)

Treffen sich zwei Schwarze, fette Menschen und reden über ihre Bäuche

Klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes? Nö! Hier soll ein wichtiger und seltener Einblick zu Begehren und Spaß, Bewegung und Unterdrückungsstrukturen, Privilegien und Zugang, zu Ressourcen, Förderungen und Forderungen gewährt werden. Christelle & Ama führen einen Dialog zu den Intersektionen von Blackness & Fatness, Begehren & Respektabilität und den Auswirkungen derselbigen auf verschiedensten Ebenen. Dabei soll Begehren & Respektabilität weit gefasst verstanden werden, was heißt, nicht nur auf Dating/Liebe/Sexualität, sondern auch auf Forderung/Förderung in Bildung & Gesundheit und insgesamt auf die vielen Facetten des Da-Seins gemünzt.

Zu den Personen:

Ama Toyou (Twitter: @hrmpfm) ist eine Lightskinned Schwarze queere trans* Person mit Behinderungen und beschäftigt sich (un)gern mit Verbindungen von Schwarzsein, Queerness & Fettsein auch in Verbindung mit Behinderungen. Amas Fokus liegt dabei auf Verbindungen & Kontinuitäten. Ansonsten mag Ama Popkultur und Elefanten.

Christelle Nkwendja (Insta: @nkweeny) ist eine Darkskinned Schwarze, able-bodied, hetero cis-Frau. Verbunden mit Schwarzen Bewegungen in Deutschland befasst sie sich seit einiger Zeit aus einer aktivistischen, intersektionalen und emotionalen Perspektive mit Themen rund um Fat-Acceptance. Mit Lizzo und Lasagne zauberst du ihr ein Lächeln ins Gesicht.

Termin: 11.11.2020, 18:00-20:00 Uhr

Stakeholder

Liste mit Stakeholdern für Unterstützung bei einer Petition zur Verstetigung des Programms „Engagementförderung durch universitäre Lehre“

50-001

  • Praxispartner aus allen Semestern
  • Flüchtlingslotsen
  • Welcome to Barmbek/ ikA
  • Schülerpaten
  • Sprachbrücke
  • IVK
  • Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) GmbH/ Sarah Wohlfarth
  • UNHCR
  • flucht.punkt/ Claudius Brenneisen
  • Nordkirche + Junge Akademie für Zukunftsfragen/ Paul Steffen + Jannik
  • filia. die frauenstiftung/ Tanja Chawla
  • Andreas Speit
  • KOP
  • Zentraler Koordinierungsstab Flüchtlinge/ Dr. Holger Riemer
  • Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V./ Sarah Wohlfeld
  • Firas Alshater
  • Hussam/ Flüchtlingmagazin

50-002

  • Hinz und Kunzt: Jonas Füllner
  • Alimaus: Christiane
  • Haus Jona/ Peter Bachmeier
  • Winternotprogramm/ f&w/ Wollberg
  • Bezirksamt Mitte/ Falko Droßmann
  • Hoffnungsorte/ Leitung
  • Herz As/ Andreas Bischke
  • KIDS/ Burkhard Czarnitzki
  • Drob Inn/ Peter Möller
  • Caritas (+ HAW)/ Andrea Hniopek
  • Uni Hamburg/ Matthew Braham
  • Diakonie/ Johann Grashoff
  • Institut für Engagementförderung/ Matthias Pregla
  • Dominik Bloh
  • Aktivoli/ Bernd Schäfertöns

Allgemein

  • Studierende/ Teilnehmer
  • ASta
  • Eimsbütteler Nachrichten?
  • Kirchenradio?
  • HAW
  • HCU
  • Van Bo
  • Helmut-Schmidt-Universität
  • BASFI
  • Rosa Luxemburg Stiftung
  • Friedrich Naumann Stiftung
  • Stadtkultur
  • BBE
  • 19NEUNZEHN
  • Jörn Westphal/ BASFI
  • f&w Zeidler
  • ÖRA/ Hartges

 

Fortschritte bei der Raumsuche – und sogar Zusage finanzieller Unterstützung!

Momentan ist unsere Hauptaufgabe passende Räumlichkeiten für unser Projekt zu finden. Bei unserem Treffen mit „Wir für Niendorf“ kamen wir leider nicht auf einen Nenner, da sie uns lieber in ihrem bestehenden Projekt integrieren wollten anstatt uns die Möglichkeit zu geben unser eigenes Projekt zu verwirklichen.

Deshalb haben wir unterschiedliche Einrichtungen und Institutionen für Räumlichkeiten angefragt und bisher nur von Caritas eine Antwort bekommen. Diese fiel dafür sehr positiv aus und am kommenden Mittwoch haben wir einen Termin für ein Gespräch und können uns deren Räumlichkeiten ansehen.

Außerdem waren wir am Freitag den 24.11. beim Arbeitskreis Refugee in der Geschäftsstelle von St. Pauli. Dort haben wir unser Projekt vorgestellt. Wir haben viele Vorschläge für die Anfrage von Räumlichkeiten bekommen sowie die Vermittlung zu Leyla Öhlrich, welche schon ein ähnliches Projekt wie unseres leitet, mit der wir gerne in Kontakt treten wollen.

Zusätzlich wurde uns von AK Refugee die finanzielle Unterstützung für mögliche Kosten bei unseren Ausflügen zugesagt. Wir hoffen nun, dass das Treffen mit Caritas erfolgreich verläuft und wollen sobald die Räumlichkeiten feststehen einen festen Termin für die Nachhilfe anbieten.

DRK Erstaufnahme Stellingen

Unsere vorerst letzte Exkursion führt uns in eine Erstaufnahme des DRK in der Vogt-Kölln-Straße in Stellingen. Dabei handelt es sich um eine von drei verbliebenen Erstaufnahmen des DRK. Drei der ehemals sechs Einrichtungen wurden bereits geschlossen, da weniger Menschen in Hamburg ankommen, andere in Folgeunterkünfte oder zu ihrer Familie ziehen, und wieder andere im Rahmen des Dublin-III-Verfahrens oder durch Abschiebungen Deutschland verlassen müssen.

„Wir sind eine kleinere Unterkunft. […] Bei über 300 Personen wird es eng“

Es empfängt uns Dirk Zieciak, der Leiter der Einrichtung, und führt uns zunächst über das Gelände: Ursprünglich waren die vier Container-Wohnmodule auf maximal 500 Personen ausgelegt, mittlerweile können dort maximal 350 Personen unterkommen. 290 Bewohner/innen fasst die Erstaufnahme zum Zeitpunkt unseres Besuchs. Grund für die Reduktion der Kapazitäten sind Gemeinschaftsräume, welche als Rückzugsorte speziell für Kinder, Frauen und Männer eingerichtet wurden.

Bei den Bewohner/innen handelt es sich um 219 Männer und 72 Frauen („ein klarer Männerüberschuss“), unter denen besonders viele junge Menschen sind, jedoch keine unbegleiteten Minderjährigen. Sie kommen unter anderem aus Afghanistan, Syrien, dem Irak, Iran, Eritrea und der Russischen Föderation (Auflistung nach abnehmender Anzahl). Herr Zieciak spricht vom vielfältigen Bildungshintergrund der Bewohner/innen: „Akademiker bis Analphabeten“.

Neben den Wohnmodulen bestehen ein Kantinen- und Klassenraummodul, ein Wasch- sowie ein Arztcontainer. Im Kantinenbereich wird dreimal täglich Essen durch einen externen Cateringdienst serviert, außerdem dient die Kantine als Aufenthaltsbereich, in welchem ein Fernseher und WLAN zur Verfügung stehen. Darüber sind zwei Klassenräume untergebracht, in denen die in der Einrichtung wohnenden Kinder beschult werden. Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren ist zudem ein Kindergarten eingerichtet.

Im Arztcontainer stehen dreimal pro Woche Ärzt/innen zur Verfügung, die mittels Videokonferenz zu medizinisch geschulten Dolmetscher/innen verbunden werden können. Außerdem ist einmal pro Woche eine Hebamme vor Ort und drei Psychologinnen stehen für eine – wenn auch rudimentäre – traumatherapeutische Behandlung bereit. In diesen wie in anderen Situationen unterstützen etwa zehn Dolmetscher/innen, die als Honorarkräfte tätig sind.

„ein multiprofessionelles Team“

Auch die Büros der Mitarbeiter/innen sind in Containern auf dem Gelände untergebracht. Insgesamt 17 festangestellte Mitarbeiter/innen sind hier tätig: Sozialarbeiter/innen, Haustechniker/innen, eine Ehrenamtskoordinatorin sowie Herr Zieciak. Letzterer ist sichtlich stolz auf die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter/innen, die unter anderem aus den Bereichen der Kultur- und Islamwissenschaften sowie der Soziologie kommen.

„großes ehrenamtliches Angebot“ – „Lach-Yoga war der Renner“

Neben diesen Mitarbeiter/innen sorgen Ehrenamtliche für ein vielfältiges Programm, das die Bewohner/innen nutzen können. So finden Deutschkurse, ein Kindertreff oder auch ausgefallenere Angebote, wie Lach-Yoga, statt. Außerdem besteht die Möglichkeit, an Projekten außerhalb der Einrichtung teilzunehmen, die häufig durch Vereine und Kirchen gefördert werden. Herr Zieciak hält diese Angebote außerhalb der Einrichtung für besonders wichtig, da sie die Integration der Bewohner/innen begünstigen.

„Konflikte wie unter Nachbarn“, doch „insgesamt ist es hier ruhig“

Auch auf das Konfliktpotential, welches das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen auf engem Raum und unter so schwierigen Umständen birgt, kommen wir zu sprechen. Das Unterkunftsmanagement versucht, die Situation der Bewohner/innen durch die Belegung der Container möglichst angenehm zu gestalten, so beispielsweise durch die Zuteilung größerer Container an Familien. Doch Konflikte lassen sich nicht vermeiden: Meist sind es Konflikte, wie sie unter Nachbarn entstehen, beispielsweise Streit um Lärm. In seltenen Fällen sind die Konflikte politischer oder religiöser Natur.

Die Arbeit in der Einrichtung: „Lust und Frust“

Einen stetigen Streitpunkt zwischen Bewohner/innen und Einrichtungsleitung stellt, so wird im Gespräch schnell klar, das durch Brandschutz begründete Verbot, in den Containern zu kochen, dar. Solche „trivialen“ Konflikte des Arbeitsalltags, wie auch die Arbeit mit Bewohner/innen, die im Rahmen ihrer Asylverfahren auf zahlreiche Schwierigkeiten stoßen, machen die Arbeit in der Erstaufnahme anstrengend. Doch Herr Zieciak hat offenbar Freude an seiner Arbeit, die er als „unheimlich vielschichtig“ bezeichnet.

St. Pauli Gemeinde/ Lampedusa in Hamburg

 

„Wir haben immer den Menschen im Mittelpunkt gesehen – und seine Schutzbedürftigkeit“

An einem kalten Freitagnachmittag werden wir von Pastor Wilm auf dem Gelände der St. Pauli Kirche empfangen. Der Pastor und seine Gemeinde gelangten 2013 zu Bekanntheit, da in ihrer Kirche über Monate hinweg die „Lampedusa-Flüchtlinge“ zu Gast waren. Über die damaligen Ereignisse und aktuelle Entwicklungen sind wir mit Pastor Wilm ins Gespräch gekommen.

„Wir [die St. Paulianer] haben unseren eigenen Kopf“

Wir beginnen unseren Besuch in der Kirche, wo uns Pastor Wilm den Geist der St. Paulianer näherbringen und die räumliche Situation veranschaulichen will. St. Pauli sei, so Pastor Wilm, zwischen Hamburg und Altona vor den Stadtmauern gelegen, immer arm, aber eben darum politisch gewesen. „Die gewisse Geisteshaltung ist keine Mode, sondern hat ihre Wurzeln.“ Heute herrsche ein kollektives Bewusstsein vor: „Wir haben unseren eigenen Kopf: Widerstandsgeist“. Diese Haltung machte möglich, was 2013 passierte. Am 2. Juni zogen 80-120 Geflüchtete in die Kirche ein. Anfangs zählte niemand, wie viele es genau waren, doch nach einer Weile beschränkte man die Zahl auf 80 Personen. Auch für diese Zahl war und ist die Kirche beileibe kein geeigneter Platz zum Schlafen und Wohnen, die Situation habe „alle deutschen Rechtsnormen gebrochen“: 2 Toiletten, keine Duschen, Beisammensein auf engstem Raum. Bei den Gästen handelte es sich um Lampedusa-Flüchtlinge, die sich angesichts ihrer ähnlichen Fluchtgeschichten zu einer Gruppe zusammengeschlossen hatten. Als westafrikanische Gastarbeiter in Libyen waren sie dort nach dem Sturz Muammar al-Gadaffis als vermeintliche Söldner desselben verfolgt worden. Sie flüchteten über das Mittelmeer auf die italienische Insel Lampedusa und bekamen in Folge dessen durch Italien einen Flüchtlingsstatus zuerkannt. Auf Grund der prekären Lage, die in Italien für Geflüchtete vorherrschte und herrscht, verließen sie das Land und gelangten nach Hamburg. Nachdem sie dort im Frühjahr 2013 aus dem städtischen Winternotprogramm ausziehen mussten, lebten einige von ihnen auf der Straße. Durch mehrere öffentliche Aktionen machten die Lampedusa-Flüchtlinge auf sich aufmerksam und forderten das Bleiberecht.

„Ort der Begegnung“

Zu Beginn wussten Pastor Wilm und die Unterstützer/innen kaum, wer ihre Gäste waren und woher sie kamen. Doch mit der Zeit lernten sich die Gemeinde und die Gäste näher kennen und wurde eine Infrastruktur geschaffen, um den Aufenthalt der Lampedusa-Flüchtlinge zu ermöglichen. Es wurde eine Küche eingerichtet, das Waschen der Wäsche in Waschmaschinen der Nachbarhäuser organisiert, „Ministerien“ für bestimmte Angelegenheiten aufgestellt (bspw. für die Verwaltung von gespendeten Fahrrädern) und die „Embassy of Hope“ ins Leben gerufen. In einem Zelt im Kirchgarten empfingen Lampedusa-Flüchtlinge Nachbar*innen und andere Interessierte, um sich mit ihnen auszutauschen. Hier wurden Rollen getauscht, Geflüchtete wurden zu Gastgebern und es fand ein Dialog statt – „Ich würde sagen, das Konzept ist aufgegangen“, meint Pastor Wilm. Es ging eine breite Solidarisierung vonstatten, die ganz verschiedene Früchte trug. Unter anderem wurde mit der Unterstützung des FC St. Pauli der FC Lampedusa ins Leben gerufen, der den Geflüchteten Spaß brachte und ihr Selbstbewusstsein förderte.

„Humanitäre Pflicht“, trotz Widerständen

Die Gemeinde und ihre Gäste hatten jedoch auch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen: Der Senat „ignorierte anfangs komplett die Situation“, bis Pastor Wilm mehrmals zu Innensenator Neumann zitiert und für sein Vorgehen kritisiert wurde, ohne dass sich je ein Mitglied des Senats vor Ort blicken ließ. Im Viertel wurden die Lampedusa-Flüchtlinge und andere durch Polizeikontrollen schikaniert. Gegner der Beherbergung artikulierten mehr oder minder konstruktiv ihre Kritik. Nach der Bundestagswahl 2013 kam es zu einer Eskalation der Situation und 200 Polizeibeamte hielten sich rund um die Kirche auf. Besonders die Tatsache, dass von Seiten der Politik vermittelt wurde „dass das, was wir hier machen, illegal sei“, scheint Pastor Wilm noch immer zu entrüsten. Er ist der Überzeugung, dass es sich bei dem Vorgehen seiner Gemeinde um eine humanitäre Pflicht gehandelt hat.

„Wir haben Glück gehabt damals“

Schlussendlich wurde ein Kompromiss zwischen dem Hamburger Senat und den Lampedus-Flüchtlingen geschlossen. Es wurden Einzelfallprüfungen durchgeführt, statt – wie von den Geflüchteten gefordert – ein kollektives Bleiberecht zu gewähren. Doch diese Prüfungen fanden unter 5 Bedingungen statt: Der Königssteiner Schlüssel wurde nicht angewandt (d.h. alle konnten in Hamburg bleiben), es wurde eine Duldung bis zur letzten Instanz angestrebt, es wurde eine reelle Chance auf dauerhaftes Bleiberecht durch Integration garantiert, die Kirche sollte für Integrationsmöglichkeiten als Coach fungieren und es wurde versichert, dass der italienische Flüchtlingsstatus in jedem Fall erhalten bleibt. Die Einzelfallprüfungen führten zu keiner einzigen Abschiebung und 120 der Geflüchteten, die sich auf die Prüfung einließen, wohnen und arbeiten heute in Hamburg. Andere wiederum, die das Verfahren nicht durchlaufen haben, wohnen noch immer in Kellern oder solidarischen Wohnprojekten. Insgesamt wertet Pastor Wilm den Ausgang positiv: Heute wäre ein solches Abkommen nicht mehr denkbar und Geflüchtete sehen sich mit viel schwierigeren Bedingungen konfrontiert. Dies hänge damit zusammen, dass die Politik sich in Sachen „Flüchtlinge“ immer weiter nach rechts bewege.

Es bleibt das Resümee: „Eine Gesellschaft kann sich solidarisch zeigen und etwas bewegen.“ – „Geflüchtete können Akteure werden“.

 

 

 

Ankunftszentrum im Bargkoppelweg

In diesem Semester hatten wir erstmals die Gelegenheit, die zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge (ZEA) im Bargkoppelweg zu besuchen – eins von mehreren über das Bundesgebiet verteilten Ankunftszentren. In diesen sollen sämtliche behördlichen Schritte, die das Aufnahmeverfahren umfasst (Asylantragstellung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Gesundheitsuntersuchung und die leistungsrechtliche Registrierung), an einem Ort gebündelt und somit schneller und effizienter durchgeführt werden. Diese Schritte haben wir durch unsere Exkursion räumlich erfahren können, aber dazu später mehr.

Alles unter einem Dach: Erstregistrierung, Gesundheitsuntersuchung, Asylantragstellung

Im recht weit entlegenen Rahlstedt empfängt uns der Leiter der ZEA. Diese wurde im Mai 2016 in Betrieb genommen, um die Registrierung und Asylverfahren der großen Zahl ankommender Geflüchteter zu bewältigen. Zu diesem Zweck wurde kurzfristig ein ehemaliges Großlager umgebaut, das Raum für die zu Beginn 400-600 täglich registrierten Geflüchteten bietet. Heute ist die ZEA weitaus weniger ausgelastet, bleibt jedoch auch für Menschen, die sich bis dato ohne Registrierung in der BRD aufhielten, sowie für den Fall eines erneuten Anstiegs der Zahl ankommender Menschen bestehen. An einigen Stellen konnte die Arbeit zurückgefahren werden, doch noch immer sind 140 Mitarbeiter*innen der Stadt Hamburg, 60 Mitarbeiter*innen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie Mitarbeiter*innen von fördern & wohnen (f&w) vor Ort.


Ärztliches Vorscreening, Erstausstattung von f&w, Wartehalle, Fingerabdrücke

Wir beginnen unsere Exkursion im Bargkoppelweg 66a – hier erfolgen die ersten Schritte, die Geflüchtete durchlaufen müssen, wenn sie in Hamburg angekommen sind. Ausgehend von einer großen Wartehalle muss jede*r zunächst zu einem ärztlichen Vorscreening. Hier wird an erster Stelle überprüft, ob Menschen ansteckende Krankheiten haben, die der Behandlung bedürfen. Sind Fälle nicht vor Ort zu behandeln, werden die Betroffenen in ein Krankenhaus überstellt. Im nächsten Schritt erhalten die Geflüchteten durch Mitarbeiter*innen von f&w eine Erstausstattung, die je nach Bedarf Kleidung, Schnuller, Windeln und ähnliches umfasst.

Erst wenn diese Schritte erfolgt sind, findet an der Rezeption die Ausgabe von Wartenummern für Termine zur Sachbearbeitung statt. Diese wiederum erfolgen im Beisein von Dolmetscher*innen. Im Rahmen der Sachbearbeitung wird überprüft, ob Geflüchtete in Hamburg bleiben können oder zum Stellen eines Asylantrags in andere Bundesländer geschickt werden. Dies erfolgt anhand des Königsteiner Schlüssels, der besagt, dass Hamburg 2,55% der in Deutschland ankommenden Geflüchteten aufnehmen muss. Die Verteilung in andere Bundesländer geht durch das IT-System EASY (Erstverteilung der Asylbegehrenden) vonstatten.

Im Gespräch mit einem*r Sachbearbeiter*in erfolgt außerdem die Erstregistrierung und in diesem Zuge die Überprüfung der Fingerabdrücke. Sind diese im System bereits bekannt, da eine Person über ein anderes EU-Land, wie bspw. Italien, eingereist ist, greift das Dublin-III-Verfahren und die Person wird ggf. in dieses Land „überstellt“. Diejenigen, die in Hamburg bleiben können, werden für eine Dauer von maximal 5 Tagen im Bargkoppelstieg 10-14 untergebracht, um weitere Schritte des Prozedere zu durchlaufen.

Zentrale Erstaufnahme für Asylsuchende Bargkoppelstieg

Mit dem eigens für den Verkehr vom Bahnhof Rahlstedt zu den beiden Stellen der ZEA eingerichteten Shuttle-Bus fährt unsere Gruppe also zum zweiten Gebäudekomplex des Ankunftszentrums. Hier stehen für den regulär 5-tägigen Aufenthalt 1120 Betten zur Verfügung. Wer hier ankommt, muss zunächst zu einer weiteren ärztlichen Untersuchung, die ausführlicher ist als das erste Vorscreening und unter anderem mittels Röntgen auf TBC hin untersucht.

Asylantragstellung und Anhörung, Unterbringung in der Erstaufnahme

Im nächsten Schritt wird beim BAMF, das auf dem Gelände eine Außenstelle unterhält, der Asylantrag gestellt. Dies erfolgt wiederum in mehreren Schritten: Das Koordinierungsbüro hat bereits die Dokumente des Sachbearbeiters/ der Sachbearbeiterin erhalten und leitet diese an die Mitarbeiter/innen des BAMF weiter, die für die Aktenanlage und Antragstellung zuständig sind. Mittels der Dokumente sowie einer kürzlich eingeführten Software zum Überprüfen von Sprachproben soll hier bereits die Herkunft der Geflüchteten festgestellt werden. Dieses Programm ist Resultat der aktuellen Lage: „Der Aspekt der Sicherheit dominiert mehr und mehr, durch neue Tools wird dem Rechnung getragen“.

Im nächsten Schritt erfolgt die Anhörung, die von Entscheider/innen des BAMF in Büros vor Ort durchgeführt wird. Etwa zwei Monate dauert das Entscheidungsverfahren momentan bei Neuankömmlingen, teilt uns ein Kollege der BAMF-Außenstelle mit. Im Jahre 2017, Stand Oktober, gab es 4.400 Antragstellungen und etwa 10.000 Entscheidungen. Letztere Zahl ist durch all jene Anträge zu erklären, die in den vorangegangenen Jahren nicht bewältigt wurden. Während des Entscheidungsverfahrens werden die Geflüchteten in anderen Unterkünften untergebracht, auf die sie mittels der Software „Quartiersmanagement“ verteilt werden.

Beratung durch die Agentur für Arbeit und Information zu Unterstützung im Fall einer freiwilligen Ausreise, Taschengeld und HVV-Tickets

Doch bevor dies geschieht, durchlaufen sie noch weitere Schritte in der ZEA: Die Agentur für Arbeit ist ebenfalls im Bargkoppelstieg vertreten und berät die Geflüchteten hinsichtlich Ausbildungs- und Berufsperspektiven. Zudem findet während des 5-tägigen Aufenthalts eine „Beratung zur freiwilligen Ausreise“ durch die Stadt Hamburg statt. Ebenfalls durch die Stadt Hamburg erfolgt die Leistungssachbearbeitung, d.h. die Zuweisung von Sachleistungen und Taschengeld, sowie die Ausgabe eines HVV-Tickets.

Erst wenn Geflüchtete die oben geschilderten Schritte alle durchlaufen haben – zunächst im Bargkoppelweg, dann wenige Hundert Meter weiter im Bargkoppelstieg – erfolgt die Verlegung in andere Hamburger Unterkünfte.

Ankunftszentrum – die Prozesse

Die Stadt Hamburg stellt den Ablauf der Schritte in der ZEA Rahlstedt schematisch dar: http://www.hamburg.de/contentblob/6041942/fb0db15d39e0d6a0308e3f46e67bfcf6/data/2016-04-04-praesentation-ankunftszentrum-rahlstedt.pdf

Was wir vorhaben…

Das Women`s Health Team ist ein Zusammenschluss von Hebammen, Gynäkologinnen und weiteren Helfer/innen, die sich zur Aufgabe gemacht haben die medizinische Versorgung geflüchteter Frauen, als auch von Frauen und Mädchen ohne Papieren und obdachlosen Frauen zu verbessern. Entstanden sind wir im Sommer 2015, als ca. 1200 Geflüchtete in einer Messehalle untergebracht waren. Wir boten dort in einem kleinen Zelt unsere Dienste an, da vor Ort nur eine medizinische Versorgung durch Allgemeinmediziner und Kinderärzten sichergestellt wurde. Continue reading

Zwischen Zäunen und Reisebüros. Rundgang mit Grenzgänger e.V.

Ein kleiner Eindruck vom kalten Rundgang mit grenzgänger Hamburg: „Zwischen Zäunen und Reisebüros“.

Vom Auswanderermuseum  BallinStadt ging es am Deich entlang nach Wilhelmsburg. Dabei haben wir über historische Kontinuitäten und Veränderungen im Zusammenhang mit Flucht und Fluchtursachen gesprochen und verschiedene Aspekte diskutiert – so zum Beispiel das Recht der Bewegungsfreiheit, Unterbringung und Privatsphäre sowie die Unterscheidung von Fluchthilfe und Schleppern. Mit Hilfe von Reisepass-Imitaten verschiedener Staaten sind wir im Spiel der Frage nachgegangen „how powerful is your passport?“ . Zu guter Letzt wurden wir dazu angeregt, uns über die Zusammenhänge des Verhaltens unserer Gesellschaft einerseits und Fluchtursachen andererseits Gedanken zu machen.

Danke für die Denkanstöße, danke für die offenen Fragen!

 

26.11.2017 – Workshop: Our Whiteness Within. Einführung in die Critical Whiteness für BPoCs

Referent/Trainer: Tsepo Bollwinkel (tsepo-bollwinkel-empowerment.de)

NUR (!) für nicht-weiße Teilnehmer/innen

Im Gegensatz zu (insbesondere in Deutschland) verbreiteten Sichtweisen ist die Critical Whiteness Schwarzes Wissen, eine Schwarze Wissenschaft. Außerhalb einer insulären Academia gibt es jedoch in Deutschland so gut wie keinen Zugang zu diesem ureigenen Wissen für Schwarze Menschen und People of Color, schon gar nicht in geschützten und respektvollen Räumen.

Der Workshop Our Whiteness Within will einen solchen geschützten und respektvollen Raum schaffen, in dem die Teilnehmenden ihr persönliches Wissen um Whiteness teilen, gemeinsam eine systemische Vertiefung erfahren und Strategien des Widerstands erarbeiten.

Inhalte:

  • Critical Whiteness als Schwarzes Wissen
  • Weißsein, die unausgesprochene Norm
  • Phänomene des Weißseins
  • historische und sozialpsychologische Einordnung
  • Identitätsbildung und Internalisierung
  • Reflektion eigener weißer Identitätsanteile
  • Dekolonisation als Aufgabe der Kolonialisierten

Hier geht’s zum Materialordner (passwortgeschützt, nur für Teilnehmer*innen des Workshops)

Geschlechtsspezifische Argumentationslinien rechtsorientierter Frauen gegen Geflüchtete (Abschluss, September 2017)

Einordnung unseres Forschungsprojekts

Wir forschten über mehrere Monate zum Thema „Identitätsanbieter für Frauen in der rechten Szene“. Dafür setzten wir uns intensiv mit vorhandener Literatur auseinander und gingen ins Feld, um zwei Interviews zur Frage „inwiefern fungieren rechte Szenen als Identitätsanbieter für Frauen?“ mit ExpertInnen durchzuführen. Continue reading

Termine Exkursionen WiSe 2017/18

Datum Uhrzeit Anlaufstelle mit Adresse max. TN-Zahl
26. Oktober 2017 17:00-19:00 Uhr Rundgang „Zwischen Zäunen und Reisebüros“ mit Grenzgänger e.V. 20
09. November 2017 11:30-13:30 Uhr Öffentliche Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA), Dammtorstr. 14, 20354 Hamburg 5
09. November 2017 11:30-13:30 Uhr Öffentliche Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA), Dammtorstr. 14, 20354 Hamburg 5
01. Dezember 2017 14:00-16:00 Uhr DRK Erstaufnahme Stellingen, Vogt-Kölln-Straße 28,
22527 Hamburg
5
angefragt angefragt Behörde für Schule und Berufsbildung 10

 

Landesbetrieb Erziehung und Bildung (LEB): Kinder- und Jugendnotdienst (KJND)

Am 16. Juni 2017 besuchten wir die Erstaufnahme des Kinder- und Jugendnotdiensts (KJND) in der Feuerbergstraße. Es empfingen uns Ilsabe von der Decken, Leiterin des KJND, und Hans-Peter Steinhöfel, Leiter der Jugendhilfeabteilung Flüchtlinge.

KJND und Jugendhilfe Flüchtlinge sind Abteilungen des Landesbetriebs Erziehung und Beratung (LEB). Der LEB ist ein kommunaler Träger und der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) untergeordnet.

Der KJND ist für die Inobhutnahme sämtlicher minderjähriger Hilfebedürftiger zuständig, der „Fachdienst Flüchtlinge“ des LEB für die Inobhutnahme von unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) sowie für alle jugendamtlichen Aufgaben während der Inobhutnahme einschließlich ihrer Beendigung. Die Versorgung der UMA ist durchfinanziert, richtet sich also nicht wie in anderen Versorgungsbereichen nach der Belegung von Plätzen in der Einrichtung.

Unsere Gastgeber schildern uns das reguläre Verfahren nach der Ankunft eines unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Hamburg.

  1. Station: Vorläufige Inobhutnahme durch den KJND

Zunächst erfolgt die vorläufige Inobhutnahme durch den KJND in der Feuerbergstraße. Es wird entschieden, ob die Person in Hamburg bleibt, das Alter und die Fluchtstationen überprüft. Dass es sich bei der Altersfeststellung um ein streitbares Thema handelt, scheint uns allen bewusst zu sein. Auch Stahlhöfel nennt es ein „schwieriges Thema“, sagt aber dennoch, der Prozess sei „gut und relativ gerecht“. Die korrekte Feststellung des Alters ist erforderlich, da die Minderjährigkeit im aufenthaltsrechtlichen Verfahren insbesondere im Rahmen des erkennungsdienstlichen Verfahrens eine Rolle spielt. Für eine Inobhutnahme müssen die Voraussetzungen minderjährig/unbegleitet erfüllt sein.

Wie läuft das Altersfeststellungsverfahren ab?

Wenn die Beurteilung nach der äußeren Erscheinung Zweifel an der Minderjährigkeit zulässt, wird unter Beisein eines Dolmetschers eine Befragung durchgeführt, um die Biografie der Person zu überprüfen. Bestehen danach noch immer Zweifel, können medizinische Untersuchungen herangezogen werden, wie z.B. das Röntgen des Kiefers. „Dabei muss das Verfahren der Alterseinschätzung auf der Grundlage ethisch und wissenschaftlich vertretbarer Methoden erfolgen und zudem rechtsstaatlichen Grundsätzen genügen.“ (http://www.b-umf.de/de/themen/altersfestsetzung; vgl. auch die Broschüre „Alterseinschätzung – Verfahrenskriterien für eine kindeswohlorientierte Praxis (Juni 2015)“) In jedem Fall, so betont von der Decken, werde großzügig zum Vorteil der Geflüchteten entschieden.

  1. Station: Erstversorgung durch die „Jugendhilfe Flüchtlinge“

Im nächsten Schritt erfolgt die Erstversorgung durch die „Jugendhilfe Flüchtlinge“. In dieser Zeit finden Gespräche, eine Gesundheitsprüfung und die Entscheidung über eine weitere Verteilung statt. Im Falle eines Verbleibs in Hamburg kommt es zu einer ausländerbehördlichen Prüfung und der Anmeldung zu einem Sprachkurs. Der „Fachdienst Flüchtlinge“ des Jugendamts soll außerdem klären, welche Hilfe die Person benötigt.

  1. Station: Anschlusshilfe

Zuletzt steht die Anschlusshilfe. Die Jugendlichen kommen in Wohngruppen, Jugendwohnungen, ambulantem betreutem Wohnen oder betreuten Einrichtungen für Flüchtlinge unter. An dieser Stelle gibt uns Frau von der Decken eine interessante Information – entgegen Gerüchten um verschwundene minderjährige Geflüchtete seien diese meist schlicht weitergezogen.

Die Institution reagiert auf sich verändernde Bedürfnislagen

Frau von der Decken und Herr Stahlhöfel erzählen uns von den wandelnden Herausforderungen, die aus dem Rückgang der Zahlen Ankommender resultieren. Diese seien zeitweise so niedrig, dass Hamburg Geflüchtete aus Schleswig-Holstein aufnehme, um den bundesweiten Schlüssel der Erstversorgung zu erfüllen. Trotzdem gilt es heute sehr viel weniger Kinder und Jugendliche zu versorgen, während sich zugleich die Bedürfnisse der Anwesenden wandeln. In Reaktion darauf werden nun Erstaufnahmen in dauerhafte Hilfe-Einrichtungen umgewandelt und eine Differenzierung des Angebots vorangetrieben. So werden Einrichtungen geschaffen, die auf besondere Bedarfe ausgerichtet sind, wie zum Beispiel sogenannte Clearingstellen für Jugendliche mit Traumata und/oder deviantem Verhalten. Diese Einrichtungen zeichnen sich durch einen besonders hohen Betreuungsschlüssel aus. Dennoch können die Stellen nicht im gehabten Umfang aufrechterhalten werden und wurde die Zahl der Mitarbeiter/innen der Jugendhilfe Flüchtlinge von 400 auf ca. 250 reduziert. Herr Stahlhöfel meint: „Die Herausforderung des Abbaus ist mindestens genauso groß wie die des Aufbaus“.

Wir verlassen das Gelände des KJND um zahlreiche Informationen reicher und sind schwer beeindruckt von der Motivation unserer Gastgeber.

Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) & Projekt Work and Integration for Refugees Hamburg (W.I.R.)

„Womit wir nichts zu tun haben, ist die Anerkennung von Führerscheinen.“

– Michael Gwosdz, Projektleitung Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) –

Die Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) berät hinsichtlich der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und richtet sich damit an Migrant/innen im Allgemeinen sowie an Menschen deutscher Staatsangehörigkeit. „In der Beratungssituation ist für uns die ‚Staatsangehörigkeit‘ des Abschlusses relevanter“, sagt Michael Gwosdz, unser Gesprächspartner. Er ist Leiter der ZAA, einem Projekt der Diakonie Hamburg, das 12 Mitarbeiter/innen umfasst.

Seit 2010 hat die ZAA etwa 8.500 Menschen beraten, von denen sich ca. 10% zum Zeitpunkt der Beratung noch im Ausland befanden. Hält sich jemand in Deutschland auf, wird im Regelfall per Telefon ein Termin vereinbart und daraufhin findet eine Beratung in den Räumlichkeiten der ZAA am Großen Burstah oder aber auch in Erstaufnahmen und anderen Unterkünften statt.

Die ZAA ist ein Teilprojekt des NetzwerksWork and Integration for Refugees Hamburg. Integration von Geflüchteten in Arbeit“ (W.I.R.), und Michael Gwosdz versucht uns einen Überblick desselben zu verschaffen. Obwohl das kein Leichtes ist („Kein Mensch in der Bundesrepublik durchsteigt das.“), bleibt Folgendes in Erinnerung: Das W.I.R. vereint sämtliche Akteure, die daran beteiligt sind, Geflüchtete beim Weg in den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen, unter einem Dach. Agentur für Arbeit, Jobcenter, Beratungsstellen, Projekte, Handels- und Handwerkskammer sollen so effektiver zusammenarbeiten. Das gehe zwar nicht ohne Komplikationen vonstatten, doch Michael Gwosdz hebt die schnellen Abläufe in der Zusammenarbeit hervor und zieht ein positives Fazit.

Ein Aspekt, der in der Zusammenarbeit des W.I.R. behandelt wird, ist die Frage der Übernahme von Kosten. Diese, so Gwosdz, stellen ein wesentliches Problem dar. In der Öffentlichkeit werde viel über Verwaltungskosten gesprochen, dabei seien andere Bereiche viel ausschlaggebender. So könnten sich die Kosten, welche für die Übersetzung von Studienzeugnissen anfallen, auf 5.000 bis 12.000 Euro belaufen. Dies sei auch das Resultat einer veränderten Anerkennungspolitik: Weg von einem formalistischen Vorgehen, das eine Ausbildung beispielsweise anhand ihrer Dauer beurteilt, hin zu einer eingehenderen Beurteilung der im Ausland durchlaufenen Ausbildung. Hinzu kämen dann noch Kosten für die erforderlichen Nachqualifizierungen, wie zum Beispiel Spracherwerb, sowie indirekte Kosten, wie für Fahrten und Kinderbetreuung.

Neben der Beratung zu diesen Kosten (Welche Kosten fallen an und von wem werden sie gegebenenfalls übernommen?) besteht eine Aufgabe der ZAA darin, Klient/innen an diejenigen weiterzuleiten, die für eine Anerkennung zuständig sind. Wer ist für die Anerkennung zuständig? „Das ist in Deutschland ein bisschen Wirrwarr.“ Im Falle eines handwerklichen Berufs ist es beispielsweise die Handwerkskammer. Ein Weg zur Anerkennung eines ausländischen Abschlusses kann demnach wie folgt verlaufen: Beratung in der ZAA, eine Weiterleitung an das Projekt Mission Zukunft für eine Nachqualifizierung und abschließend das Abnehmen einer Prüfung durch die Handwerkskammer.

Insgesamt lasse sich von großen Verbesserungen sprechen, so Michael Gwosdz: Seit dem Berufsverbot von viereinhalb Jahren, das früher für Flüchtlinge galt, habe sich viel getan. Nichtsdestotrotz würden oftmals die Realitäten der Geflüchteten übersehen.

fördern und wohnen Rodenbeker Straße – Wohnunterkunft in Bergstedt

Die Wohnunterkunft in der Rodenbeker Straße ist eine Folgeunterbringung in der Trägerschaft von fördern und wohnen, Anstalt öffentlichen Rechts (AÖR). Sie hat eine Kapazität von 364 Plätzen. Die Standortleitung erläuterte in einem ausführlichen Gespräch zunächst die einzelnen Stationen im Asylverfahren – um dann auf die Herausforderungen im Alltagsgeschäft des UKSM, Unterkunft- und Sozialmanagements in der Einrichtung zu sprechen zu kommen.

Unter den insgesamt 360 Bewohner/innen sind sehr viele Familien. Zwei bis drei Familien wohnen in einer Wohneinheit zusammen. Der Betreuungsschlüssel ist in der Folgeunterbringung verhältnismäßig niedriger als in Erstaufnahmen. Das Spektrum von Beratung und Unterstützung aber ist bleibend breit: Bearbeitung und Verwaltung der Bewohnerakten, Verweisberatung, Vereinbarung von Arztterminen, psychische Beratung und Vermittlung an Experten, Streitschlichtung, Suche nach Nachhilfelehrern… Vor allem sei es ziemlich schwierig, Plätze in KiTas und Grundschulenfür die Kinder zu organisieren. 

Im Gegensatz zur Erstaufnahme gibt es em Eingang zur Wohnanlage keinen Sicherheitsdienst und keine externe Versorgung mit Mahlzeiten. Die Bewohner/innen können in ihren Zimmern selbst kochen. Der nächste Schritt in selbständiges Wohnen wäre der Bezug einer privat angebotenen Mietwohnung – oder die Unterbringung in so genannten UPW – Unterkünften mit Perspektive Wohnen, die in jedem Stadtteil entstehen sollen.

Im Anschluss an den Austausch mit der Standortleitung hatten wir Gelegenheit zur Begegnung und zum Austausch mit Bewohnern. Da die Unterkunft sehr weit abgelegen ist, wurden verschiedene Ideen entwickelt, die jungen Männer mal in die Stadt zu locken – zur Laufrunde um die Alster, die ein Studierendenteam wöchentlich veranstaltet, zum gemeinsamen Picknick am Ende des Semesters, oder auch zum Gärtnern auf dem Gelände in Bergstedt. Vielleicht ergibt sich noch mehr!

ELBCAMPUS Kompetenzzentrum Handwerkskammer Hamburg, Projekt Mission Zukunft

„Wir raten immer zur Ausbildung oder Qualifizierung“

Magdalene Pranga, Koordinatorin Bildungsmanagement des Projekts „Mission Zukunft“

Am 31. Mai besuchten wir den Elbcampus, das Schulungszentrum der Handelskammer Hamburg, um dort das Projekt „Mission Zukunft“ näher kennenzulernen. Frau Pranga, Koordinatorin Bildungsmanagement, Projekt Mission Zukunft, konnte uns dabei sowohl spannende Einblicke in den Schulungsalltag der Handwerkskammer als auch wesentliche Informationen zu ihrem Projekt und dessen Vernetzung bieten.

Bei „Mission Zukunft“ handelt es sich um ein trägerneutrales Projekt, das zwar am Elbcampus ansässig ist und eng mit der Handwerkskammer zusammenarbeitet, jedoch unabhängig von diesem besteht. 14 Mitarbeiter/innen beraten hinsichtlich Anpassungs- und Nachqualifizierung in Hamburg – in der derzeitigen Form wird das Projekt bis Ende 2018 bestehen.

Als Teil des bundesweiten IQ-Netzwerks und des Hamburger Teil-Netzwerks NOBI beriet „Mission Zukunft“ ehemals vor allem Menschen mit Berufsabschluss, hat sich mittlerweile jedoch auf eine andere Zielgruppe umorientiert: Da viele Geflüchtete ohne Berufsabschluss oder Dokumente, die einen solchen bescheinigen, in Deutschland ankommen, richtet sich das Projekt nun nach diesen Realitäten.

So organisieren Frau Pranga und ihre Mitarbeiter/innen regelmäßig Aktionswochen, in denen Menschen mit Berufserfahrung ihre Kompetenzen austesten und Einblicke in die deutschen Besonderheiten ihres Berufsfelds gewinnen können. Unter Mottos wie „Pflege & Gesundheit“ oder „Metall – Schweißen – Elektro“ wird praktisch gearbeitet, finden Bewerbungstrainings statt und wird eine Arbeitgeberbörse geboten.

Außerdem beraten sie zu externen Prüfungen – also dem Nachholen eines Berufsabschlusses bei ausreichender Berufserfahrung, Vorbereitungskursen, Sprachanforderungen und -förderung.

Auf dem Elbcampus befinden sich viele Räumlichkeiten, die Rahmenbedingungen von Berufen simulieren und in denen solche Prüfungen und Qualifizierungen stattfinden. Während unseres Besuchs konnten wir einen Einblick in „Überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen im Handwerk“ (ÜLU) für Friseur/innen und Bäcker/innen gewinnen sowie die Schweißerwerkstatt des Campus besichtigen und mit Ausbildern und Auszubildenden sprechen. Neben all der Professionalität bleibt vor allem die auf dem Campus omnipräsente gute Laune in Erinnerung.

SCHURA – Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V. / Al-Nour Moschee

„Die Herausforderung der jüngsten Migrationswelle geht uns alle an.“
Daniel Abdin sieht auch religiöse Institutionen in der Pflicht.

Am 17. Mai besuchten wir die al-Nour Moschee in St. Georg. Es empfingen uns Daniel Abdin, Vorsitzender der Schura (Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V.) und des Islamischen Zentrums Al-Nour e.V., sowie der erste und zweite Imam der al-Nour. Die Moschee wurde als Exkursionsziel gewählt, da sie sich – besonders, doch nicht ausschließlich im Jahr 2015 – durch ihr Engagement für in Hamburg ankommende Geflüchtete hervorgetan hat.

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der al-Nour Moschee gab uns Herr Abdin einen allgemeinen Eindruck von der Größe und Zusammensetzung der Gemeinde sowie deren Selbstverständnis (2.500 Gläubige kommen jeden Freitag zum Gebet in die Moschee!). Das Engagement der Gemeinde, für das sie mit verschiedenen Preise ausgezeichnet wurde, versteht Abdin als humanitäre Verantwortung gegenüber Menschen jedweder Herkunft und jeden Glaubens.

Konkret bezog er dieses Selbstverständnis auch auf das Engagement, das 2015 in der Moschee stattfand: Als täglich zahlreiche Geflüchtete in Hamburg ankamen, bot die al-Nour Moschee diesen in ihrem Gebetsraum Schlafplätze an. Pro Nacht kamen so 200 bis 600 Menschen unter, wurden mit Speisen und Kleidung versorgt und konnten Seelsorge in Anspruch nehmen. Neben der Unterstützung durch Hamburger Kirchen beteiligten sich zahlreiche weitere äußere Akteure, beispielsweise durch Essensspenden und Hilfe bei der Übersetzung. Neben dieser sofortigen Hilfe leisten Mitglieder der Gemeinde unter anderem im Rahmen des Projekts „Integrationspunkt Hamburg“ Beratung und Unterstützung verschiedener Art.

Abdin betonte während seines Vortrags, dass er religiöse Institutionen in der Verantwortung sehe, beim Abbau von Vorurteilen und bei der Bewältigung von Traumata zu helfen, respektvolles Miteinander zu vermitteln und Demokratie vorzuleben. Er sei stolz auf die Arbeit aller Helfer/innen und bedaure zugleich, dass die anfängliche Euphorie abgenommen habe.

Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW)

„Wir dürfen nie aufhören, Wohnungen zu bauen.“

– Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg –

Unser Gesprächspartner Ole Jochumsen ist seit Ende 2015 in der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) als „Koordinator Wohnungsbau für Flüchtlinge“ tätig und für das Senatsprogramm „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ verantwortlich. Dieses Programm soll die Unterbringung der nach Hamburg kommenden Geflüchteten mit der Schaffung von (Sozial-)Wohnungen verbinden. Er hat uns über die Struktur und die Zuständigkeiten der Behörde aufgeklärt, anhand einer Karte erläutert, an welchen Standorten in Hamburg derzeit Geflüchtete untergebracht sind und welche Strategien die Stadt verfolgt, um diese Menschen in „normalen“ Wohnraum zu integrieren.

 
 

„Mit dem Neubau von insgesamt 10.000 Wohnungen im Jahr haben sich der Senat und seine Kooperationspartner aus der Wohnungswirtschaft für die neue Legislaturperiode (2015–2021) viel für den Wohnungsneubau in der Hansestadt vorgenommen.“ (Quelle: http://www.hamburg.de/neubau-in-hamburg/) Davon sollen jährlich 3000 geförderte Mietwohnungen entstehen.

„Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“

Besonders hervorgehoben hat Jochumsen das Expresswohnungsbau-Vorhaben „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ des Senats, bei dem in kürzester Zeit 800 Wohnungen mit günstigen Mietpreisen errichtet und für 15 Jahre exklusiv von Menschen mit Fluchtgeschichte bewohnt werden sollen. Diese entsprächen in Grundriss und Ausstattung dem Standard des „sozialen Wohnungsbaus“ (vgl. auch http://www.foerdernundwohnen.de/wohnen/einrichtungen-fuer-wohnungslose-menschen-und-zuwanderer/unterkuenfte-perspektive-wohnen.html). Später sollen sie als Sozialwohnungen genutzt werden. Leider verzögert sich der Bau, sodass die Fertigstellung stetig verschiebt.

Zwei weitere wichtige Aspekte bei so großen Bau- und Stadtentwicklungsvorhaben wurden im Gespräch mit Ole Jochumsen deutlich: die Frage von Zeitpunkt, Umfang und Art von Bürgerbeteiligung, d.h. Einbindung der Anwohner im Stadtteil. Und zum anderen die Problematik, die Isolation neu entstehender Siedlungen und damit Gentrifizierung in der Stadt zu vermeiden und kulturelle und soziale Durchmischung herzustellen. Integrative Konzepte sind theoretisch angedacht, etwa durch die Errichtung „normaler“ Sozialwohnungen in direkter räumlicher Nähe; allerdings ist auch hier nicht sicher, ob eine Umsetzung in absehbarer Zeit möglich ist.

Vornehmlich strukturschwache Stadtteile

Auf der Karte „Flüchtlingsunterkünfte mit der Perspektive Wohnen“ (vgl. Foto) zeigt sich deutlich, dass in eher strukturschwachen Stadtteilen gebaut wird. Wird die Infrastruktur noch „nachgerüstet“? Ole Jochumsen erklärt, dass alle Standorte mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar seien und an einigen Stellen sicher ein Supermarkt neu eröffnet wird. Von der Idee, je eigens eine KiTa, eine Schule, ein Ärztehaus u.a. vorzusehen, distanziert man sich bewusst, um die Isolation der Bewohner dadurch nicht noch zu verstärken.

Wer unter den Geflüchteten hat Anspruch auf einen Umzug in eine eigene Wohnung aus dem Bauprogramm?

Die Träger der Unterkünfte gehen direkt auf die jeweiligen Haushalte/Familien zu, und zwar sehr kurzfristig. Insgesamt ist die Dauer der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften zu lang, es gibt viele Fälle von sogenannten Überresidenten. Bei der Vermittlung werden Menschen bevorzugt, die eine gute Bleibeperspektive und nachweislich gute Integrationsansätze haben sowieMenschen mit psychischen Belastungsstörungen oder körperlichen Einschränkungen (vgl. auch http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4612224/2015-10-06-bsw-fluechtlingsunterkuenfte-perspektive-wohnen/).

Der Umzug in eine eigene Wohnung bedeutet einen deutlichen Sprung in der Lebensqualität, endlich ist eine selbstbestimmte Lebensführung möglich, sind die Menschen nicht mehr auf Gemeinschaftsverpflegung angewiesen, ganz abgesehen von Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten.