Author Archives: corneliaspringer

Auf Augenhöhe unter die Arme greifen: Entwicklungszusammenarbeit oder eine neue Form des Kolonialismus?

von Virginija Lickunaite

„Buy this! It´s from your country!“, hörte ich, als ich in Takoradi in Ghana am Marktplatz vorbeischlenderte. Eine an den Schultern und Händen mit Second-Hand-Klamotten behängte Frau riss mich aus meinen Gedanken. Wiederholt wurden mir die negativen Auswirkungen eines weißen Helfersyndroms vor Augen geführt. Ich stammelte nur ein verlegenes „No, thanks“.

Nach Ghana war ich mit besten Intentionen und einem naiven Glauben an den Sinn der entwicklungspolitischen Freiwilligenarbeit gekommen. Nach wenigen Tagen brach ich meinen angeblichen Einsatz für Gerechtigkeit ab und begann zu hinterfragen: Was geht hier eigentlich vor sich?

Freiwillige, teilweise gerade erst das Abitur in der Tasche, halten Vorträge vor der lokalen Bevölkerung über Menschen- sowie Kinderrechte und klären sie über die Vorteile der Bildung für ihre Kinder auf. Freiwillige aus Deutschland, Dänemark oder den Niederlanden unterrichten Englisch, ohne Muttersprachler*innen zu sein oder jegliche pädagogische Qualifizierung zu haben. Freiwillige, die einmal um den Globus fliegen und tonnenweise CO2 ausstoßen, um sich für die Umwelt zu engagieren. Freiwillige, die, um mit Kindern ein paar Wochen zu spielen, tausende Euros ausgeben, mit denen wahrscheinlich einige Klassenzimmer finanziert werden könnten.

Dass der umgekehrte Fall in Europa keineswegs möglich wäre, verdeutlicht die Problematik mit dem Überlegenheitsdenken der Weißen. Würde beispielsweise jemand in Deutschland seine Kinder von einer Person unterrichten lassen, die dafür keinerlei Qualifizierung besitzt? Nein. Nicht mal jeder ausländische Schulabschluss wird in Deutschland anerkannt. Warum sollte das also in einem afrikanischen Land akzeptabel sein? Vermutlich würden sogar alle Versuche, jungen Leuten aus dem globalen Süden ein Praktikum in Deutschland zu ermöglichen, aufgrund der Visa-Bestimmungen oder aus finanziellen Gründen scheitern. Continue reading

Immerhin hing an der Tür ein Schild mit der Aufschrift „Schule ohne Rassismus“

Essay von Janine Ketzner

Schon lange steht fest, dass in deutschen Schulen nicht oder nicht angemessen über das Thema Rassismus gesprochen wird. Immer wieder berichten People of Color von den rassistischen Anfeindungen durch Mitschüler*innen und Lehrkräfte, denen sie mangels systemischer Unterstützung ausgeliefert sind. Unter der Spitze des Eisbergs liegen nicht nur ungerechte Notenvergabe und Lehrer*innenempfehlungen – auch die Lektürelisten zeichnen sich durch mangelnde Diversität aus, sodass die weißen Schüler*innen in der Perspektive der weißen Kolonisator*innen verhaftet bleiben.

Dieses strukturelle Problem tritt jedoch nicht nur in Gegenwart von People of Color auf. Auch in deren Abwesenheit können gefährliche Mechanismen beobachtet werden, die weiße Solidarität festigen, statt Privilegien zu hinterfragen und den Raum für Perspektiven jenseits der weißen Norm zu öffnen.

Durch das Wissen, das ich heute habe, bin ich zum ersten Mal in der Lage kritisch zu hinterfragen, was mir in der Schule über den Kolonialismus beigebracht wurde. Es war nicht so, als wäre die Geschichte des Rassismus in der Schule gar nicht erwähnt worden. Ganz im Gegenteil. Im Geschichtsunterricht wurde uns lang und breit erklärt, was Kolonialismus ist und dass das Deutsche Reich da anscheinend auch mitgemischt hat – allerdings nur „ganz kurz, und längst nicht so schlimm wie Frankreich oder England“. Kein Wort allerdings darüber, dass deutsche Privatleute sich am transatlantischen Sklav*innenhandel bereicherten, lange bevor das Deutsche Reich überhaupt gegründet wurde und sich ganz offiziell in die Verwicklungen des Imperialismus einschaltete. Continue reading

Eine Gedankenreise in vielfältige Spielwelten

Essay von Lea Schurat

Ich möchte mich auf eine Gedankenreise begeben, auf eine Reise durch vielfältige Spielzimmer. Die Vielfalt der Kinder und deren Lebenswelten ist unbestritten, aber was wäre, wenn diese Vielfalt sich nun auch in den Spielwelten der Kinder zeigen würde?

Ich sehe Bücher mit den wunderbarsten Bildern und Geschichten. Bücher, die das Tor zu vielfältigen Abenteuern und Geschichten sind. Bücher, die alle Kinder repräsentieren. Bücher, in denen alle Kinder sich als Held*innen wiedererkennen können. Ich sehe Bücher, in denen es keine Prinzessin gibt, die auf die Rettung durch ihren Prinzen wartet. Ich sehe starke Protagonist*innen aller Hautfarben. Protagonist*innen mit Behinderungen, verschiedenste Familienformen, Religionen und auch arme Menschen. Und alle in einer positiven, handlungsfähigen und selbstbestimmten Rolle. Ich sehe Spielzeuge und Puppen, die nicht ausschließlich weiß sind. Ich sehe Spielzeuge, die die Welt und ihre Vielfalt widerspiegeln. Kinder haben die Möglichkeit, sich in ihren Spielzeugen wiederzufinden, sich zu identifizieren und spielerisch die Welt zu entdecken.

Kinder beobachten und erlernen bereits in ihren ersten Lebensjahren gesellschaftliche Machtsysteme auf implizite Art und Weise. Continue reading

Wieso werden in den Medien immer die Täter*innen genannt, warum kenne ich nur ihre Namen?

Essay von Rigmor Franke

Beate Zschäpe, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt, Anders Breivik – Namen, die nicht vergessen sind. Namen, die in den Medien oft abgedruckt und in den Nachrichten wiederholt wurden. Es gibt Filme und Dokumentationen, sowie Bücher und Artikel über sie.

Bahide Arslan, Yeliz Arslan, Ayşe Yılmaz – Namen, die ich in dem Vortrag von Ibrahim Arslan zum ersten Mal hörte. Drei Menschen, die durch einen rassistisch motivierten Anschlag starben. In der Nacht des 23. November 1992 wurde ein Brandanschlag auf zwei Familien in einem Haus ausgeübt. Die Familien hatten einen türkischen Hintergrund und zogen Mitte der 70er Jahre in die Kleinstadt Mölln.

Herr Arslan überlebte als Siebenjähriger, weil er in nasse Decken gewickelt war. Für seine Schwester, Cousine und Großmutter kam jede Hilfe zu spät. Continue reading

Antiziganismus. Über Stigmatisierung von Sinti*zze und Rom*nja

Essay von Jennifer Tamara Koch

„Antiziganismus bezeichnet einen spezifischen Rassismus gegen Sinti[*zze] und Roma[*nja] und umfasst verschiedene Ebenen, die ein Ergebnis jahrhundertealter Vorurteile sind: Zum einen werden Sinti[*zze] und Rom[*nja] mit dem Stigma »Zigeuner« oder Verwandter Bezeichnungen belegt. Darauf aufbauend werden den Angehörigen der Roma-Minderheiten vermeintlich von der Norm abweichende, widersprüchliche Eigenschaften […] zugeschrieben. Zuletzt beschreibt Antiziganismus die strukturelle und institutionalisierte Diskriminierung von Sinti[*zze] und Rom[*nja](NdM-Glossar 2020: Begriffsdefinition Antiziganismus).

Eine Erhebung der Bundeszentrale für politische Bildung aus dem Jahr 2014 ergab, dass europaweit in etwa 12 Millionen Sinti*zze und Rom*nja leben (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2014). Allein in der Bundesrepublik Deutschland konnten schätzungsweise 80.000 bis 140.000 Sinti*zze und Rom*nja erfasst werden (vgl. Antidiskrimierungsstelle des Bundes 2014). Obgleich Sinti*zze und Rom*nja seit Jahrhunderten zu unserer Gesellschaft gehören, ist der Alltag dieser nationalen Minderheiten von Stigmatisierungs-, Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen geprägt. Dieses soziale Phänomen, welches als Antiziganismus bezeichnet wird, stellt bis in die Gegenwart hinein ein massives weltweites Problem dar (vgl. End 2017: 6). Der Antiziganismus wird vielschichtig in der Gesellschaft – sowohl per exemplum bei Rechtsradikalen, bei Linken und in der Mitte praktiziert – und durch antiziganistische Ideologien legitimiert. Antiziganistische Einstellungen und Grundhaltungen finden sich aber nicht nur in gegenwärtig geführten Diskursen wieder, sondern lassen sich historisch seit dem Mittelalter nachweisen. Continue reading

Mölln 1992. Wieso wir Betroffenen unser Gehör schenken sollten

Beitrag von Mariama Ceesay

„Wieso wir Betroffenen unser Gehör schenken sollten, als ihre Stimmen zu ignorieren oder andere Menschen über sie sprechen zu lassen“ 

Ibrahim Arslan hat uns seine Geschichte erzählt. Ich bewundere diesen Mut, diese Kraft und diese Ausdauer. Ibrahim Arslan hat sich 1992 in seinem Wohngebäude mit seiner Familie befunden. Auf das Gebäude der Familie, in dem auch andere türkischstämmige Familien wohnten, wurde ein Brandanschlag von rassistischen Menschen verübt. Ibrahim hat den rassistisch motivierten Brandanschlag überlebt, seine kleine Schwester, seine Oma und seine Cousin überlebten nicht. Sie wurden ermordet. 1992 wurde also deutlich, dass Rassismus zum Tod führen kann, aber auch davor und danach wurden/werden Schwarze Menschen und PoC ermordet, weil sie Schwarze Menschen und PoC sind oder als diese gelesen wurden/werden.

Laut der Amadeu Antionio Stiftung sind es seit 1990 208 Todesopfer und 13 Verdachtsfälle. Diese Zahl ist wahrscheinlich aber auch noch höher. Continue reading

FAT OR AND PHAT

Essay von Jemina-Jane Idun

Einleitung

Seit Beginn der Menschheit gibt es Schönheitsideale, die sich geprägt vom Wandel der Zeit sowie anhand der führenden Kulturen der Welt definieren. Nichtsdestotrotz impliziert der Begriff Schönheitsideal, oft ein westlich genormtes Idealbild, welches es bestmöglich zu erfüllen gilt, um von der vorherrschenden Gesellschaft als „schön“ anerkannt zu werden. Individuen, die die erwünschte Ästhetik aufgrund von genetischen, sozialen oder individuellen Aspekten nicht erfüllen, galten in der Gesellschaft bis dato immer als zweitrangig. Um diese Diskrepanz von Akzeptanz auszugleichen, wurden verschiedene soziale Bewegungen ins Leben gerufen, die dazu auffordern die vorrangigen Schönheitsideale zu diskreditieren, um alle Körperformen und kulturelle Individualitäten gleichzustellen. Die Gleichstellung von Körperformen, und das Einfordern von Gleichberechtigung, stößt jedoch auf Kritik. Letztere besagt, dass eine Gleichstellung von Individuen lediglich eine Verherrlichung von negativen Merkmalen sei. In diesem Essay werde ich den Kernpunkt des Vortrages „Treffen sich zwei Schwarze, fette Menschen und reden über ihre Bäuche“ anhand von Quellen aufarbeiten. Insbesondere werde ich auf die Frage eingehen, ob die Body-Positivity-Bewegung Adiposität tatsächlich verherrlicht und erörtern, ob der Ursprung der Kritik aus einer gesellschaftlichen Fettphobie entspringt, welche die Erweiterung und Konsequenz von Anti-Schwarzem Rassismus ist.

Die Body-Positivity-Bewegung

Mit ihrem Ursprung in den USA ist die heutige Body-Positivity-Bewegung eine Weiterführung der Fat-Acceptance-Bewegung aus den 1960er Jahren. Letztere zielte darauf ab die weit verbreitete vorherrschende Fettfeindlichkeit zu beenden: „Fat acceptance focuses on ending the culture of fat-shaming and discrimination against people based upon their size or body weight” (Cherry 2020). Continue reading

Antiziganismus erkennen, verstehen und begegnen im Bildungsbereich

Schulsozialpädagoge Marko D. Knudsen (Bildungsverein der Roma zu Hamburg e. V.) führt in das Thema „Antiziganismus“ ein und hilft anhand des gesellschaftlich herrschenden Antiziganismus über stereotype Denk- und Erklärungsansätze aufzuklären– ein wichtiger Schritt für eine Zukunft mit weniger Diskriminierung. Die Geschichte der Roma und Sinti und Praxisbeispiele aus der täglichen Arbeit werden weitere Themen des Vortrages sein. Kommen Sie mit Marko D. Knudsen ins Gespräch, denn es gibt keine bösen Fragen – nur böse Behauptungen!

Zur Person: Marko D. Knudsen ist seit 30 Jahren aktiver Roma Mensch und Bürgerrechtler. Er ist selbst Roma und Vorsitzender des Bildungsvereins der Roma zu Hamburg e.V. und des Europäischen Zentrums für Antiziganismusforschung sowie Autor der kompletten Geschichte der Roma und Sinti. Außerdem ist er tätig als Schulsozialpädagoge für das ReBBZ Hamburg und Roma und Sinti Beauftragter.

Termin: 04.02.21, 18:00-20:00 Uhr

Hinweis: Dieser Vortrag wird simultan gedolmetscht (Deutsche Gebärdensprache-Deutsche Lautsprache)

Subjekt – die Ordnung – das Lieben

Die Ordnung des Rassismus formt einen Raum der Subjektivierung, ein strukturierter und strukturierender Raum, in dem aus Individuen „Subjekte“ werden, deren Handlungsfähigkeit und Selbstverständnis mittels der Erfahrungen, die sie in dem Raum machen, an seine Struktur gebunden bleiben, diese aufnehmen, bestätigen, aber auch transformieren und modifizieren. In Text-Bruchstücken nähere ich mich diesem Zusammenhang.

Zur Person: Prof. Dr. Paul Mecheril ist Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Migration an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. Zuvor war er als Universitätsprofessor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (2011-2019) sowie der Universität Innsbruck (2008-2011) tätig.  Er beschäftigt sich unter anderem mit dem Verhältnis von Zugehörigkeitsordnungen, Macht und Bildung.

Termin: 28.01.2021, 18:00-20:00 Uhr

Filmvorführung „RomaStories“ und Gespräch im Anschluss mit Stella Tsianios (Pädagogin), Babak Bataghva (Filmregisseur) und Marko D. Knudsen (Schulsozialpädagoge)

In dem Dokumentarfilm „RomaStories“ werden Romabiografien vorgestellt. Die Personen berichten von der eigenen Kultur, fern von Fremdzuschreibungen. Die Präsentation der eigenen Kultur steht im Vordergrund und nicht irgendeine Interpretation, welche Jahrhunderte von der Mehrheitsgesellschaft skizziert und analysiert wurde. Themen wie Diskriminierung, Antiziganismus, Geschichte, Bildung und Frauenrechte werden im Film angesprochen.

Im Anschluss gibt es ein offenes Gespräch mit Stella Tsianios (Pädagogin), Babak Bataghva (Filmregisseur) und Marko D. Knudsen (Schulsozialpädagoge), der auch eine kleine Einführung in die Thematik gibt.

Zur Person: Marko D. Knudsen ist seit 30 Jahren aktiver Roma Mensch und Bürgerrechtler. Er ist selbst Roma und Vorsitzender des Bildungsvereins der Roma zu Hamburg e.V. und des Europäischen Zentrums für Antiziganismusforschung sowie Autor der kompletten Geschichte der Roma und Sinti. Außerdem ist er tätig als Schulsozialpädagoge für das ReBBZ Hamburg und Roma und Sinti Beauftragter.

Termin: 21.01.2021, 18:00-21:00 Uhr

Die globale Verfestigung von weißen Privilegien

Der Vortrag führt die Teilnehmer*innen in eine afrikanisch-orientierte Kritik an dem Diskurs und der Politik von Entwicklungszusammenarbeit (Entwicklungshilfe) ein. Diese Paradigmen, Erzählungen, Instrumente, Konsequenzen und Ergebnisse werden aus einer afrikanischen Perspektive analysiert, welche die Teilnehmer*innen ermutigen sollen, ihre eigene Rolle in diesem vom System geförderten globalen Strukturen zu reflektieren.

Zur Person: Senfo Tonkam wurde als ehemaliger Student*innenenführer in Kamerun verfolgt und ins Exil gezwungen wegen seines Kampfes gegen den westlichen Neokolonialismus und die pro-westlichen Diktaturen in Afrika. Als politischer Flüchtling, Gelehrter und Community-Aktivist ist er Gründer der „Black Nation in Babylon-Germany“ und des Vereines „AFRICA UNITED SPORTS CLUB e.V.“ Früher lehrte er an der Universität Hamburg Antirassismus und Interkulturelle Kommunikation. Derzeit ist er als Sozialarbeiter tätig und arbeitet überwiegend mit Geflüchteten, Migrant*innen und den sogenannten „Papierlosen“ – auch im Bereich des Empowerments. Außerdem ist er Fußballtrainer und Referent. Senfo Tonkam ist ein politischer Analyst und Coach, der ausführlich  über soziale Bewegungen und Befreiungsbewegungen auf der ganzen Welt recherchiert und referiert. Er unterstützt aktiv Student*innenbewegungen, Frauenorganisationen, Gewerkschaften, Menschenrechtsgruppen, politisch verfolgte Aktivist*innen und Geflüchtete in Afrika und der Diaspora.

Termin: 12.01.2021, 18:00-20:00 Uhr

Vielfalt im Kinderzimmer

Wer sind die Heldinnen & Helden in unserer Kinderliteratur und wer wird im Spielzeug dargestellt? Warum ist Repräsentation aller Kinder so wichtig? Ein rassismuskritischer und diskriminierungssensibler Blick ins Kinderzimmer!

Zu den Personen: Tebogo Nimindé-Dundadengar (B.Sc. Psychologie) und Olaolu Fajembola (M.A. Kulturwissenschaften) sind die Gründerinnen von Tebalou – Vielfalt im Spielzimmer.

Termin: 05.01.2021 18:00-20:00 Uhr

Hinweis: Dieser Vortrag wird simultan gedolmetscht (Deutsche Gebärdensprache-Deutsche Lautsprache)

Diskriminierungskritische Bildung – ein Einblick

Der Vortrag beschäftigt sich anhand von Schule – Macht – Rassismus über Grundlagen hinaus mit der Frage, was rassismuskritische Bildung in Schule für zum Beispiel den Unterricht, die Schulentwicklung oder das Beschwerdemanagement bedeuten kann.

Zur Person: Saraya Gomis ist Lehrende, Lernende und Bildungsaktivistin. Ehrenamtlich ist sie bei EOTO aktiv.

Termin: 16.12.2020, 18:00-20:00 Uhr

Hinweis: Dieser Vortrag wird simultan gedolmetscht (Deutsche Gebärdensprache-Deutsche Lautsprache)

Diversitätssensibilität. Die Erweiterung der Professionskompetenz von (angehenden) Lehrer*innen

In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Karim Fereidooni auf die Konstruktion von ‚Normalität‘ in unserer Gesellschaft und in unterschiedlichen Bildungsinstitutionen ein und problematisiert diesen Konstruktionsprozess, weil dadurch Ausschlüsse entstehen. Ferner stellt er unterschiedliche Theorien und Studien zum Thema Diversitätssensibilität dar und präsentiert Maßnahmen, die darauf angelegt sind, mit Diversität konstruktiv umzugehen.

Zur Person: Prof. Dr. Karim Fereidooni ist Juniorprofessor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte sind Rassismuskritik in pädagogischen Institutionen, Schulforschung und Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft sowie Diversitätssensible Lehrer*innenbildung.

Termin: 30.11.2020, 18:00-20:00 Uhr

Labor 89: Intersektionale Bewegungsgeschichte/n aus West und Ost

Jahrestage und Jubiläen erlauben nicht nur eine momentane Erinnerung, sondern geben auch Anlass und Raum dafür, dass sich die kollektive Mentalität noch einmal neu sortiert und ausrichtet, dass Orientierungen und Werte gegebenenfalls neu verhandelt werden und dass sie sich neu legitimieren lassen. Dabei ist es wichtig, dass diese Erinnerungskultur keinem linearen Narrativ folgt, das in der Regel auf Bilder des nationalen Erfolgs setzt. Erinnerungspolitik muss mehr können und selbst einen Perspektivwechsel vornehmen, das heißt zu einer Perspektive werden, die mehr als die Mehrheitsgesellschaft in den Blick nimmt. Labor 89 setzt hier an und rückt mit den Portraits von acht Zeitzeug*innen aus Schwarzen und PoC-Communities Akteur*innen, aber auch Orte, Ereignisse und Diskurse in den Vordergrund, die in mehrheitsgesellschaftlicher Erinnerungspolitik nicht mitbedacht werden. Die Erzählung ihrer unterschiedlichen Geschichten eröffnet einen diasporischen Reflexionsraum, in dem die Transformationprozesse vor, während und nach dem Berliner Mauerfall der Komplexität der deutschen Vereinigung Raum so geben, dass marginalisierte Perspektiven von BPoC-migrantischen Kämpfen um Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und politische Teilhabe aus dieser Zeit sichtbarer werden.

Labor 89 schildert die Bedeutung der Maueröffnung in der kollektiven Erinnerung von BPoC-Bewegungen, beschreibt, wie sich öffentliche Räume für sie ganz konkret verengten, aber auch neue Möglichkeitsräume mit einer Vielzahl von Debatten, Aktionen, Netzwerken, Community-übergreifenden Projekten und der Erprobung neuer gesellschaftspolitischer Praktiken entstanden.

Das Buch: Peggy Piesche (Hg.): Labor 89. Intersektionale Bewegungsgeschichte*n aus West und Ost. Berlin 2020: Yılmaz Güney (http://www.yilmaz-gunay.de/index.php/9-aktuell/48-978-3-9817227-3-4-labor89)

Zur Person: Peggy Piesche ist Referentin für Diversität, Intersektionalität und Dekolonialität (D.I.D.) bei der Bundeszentrale für politische Bildung

Termin: 24.11.2020, 18:00-20:00 Uhr

 

Kontinuierlicher Rassismus seit den 80ern aus Perspektive der Betroffenen

Ibrahim Arslan ist Opfer und Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992. Er versucht seit 2007 bei jeder Gelegenheit die Perspektive der Betroffenen, seine Perspektive, in den Vordergrund zu bringen. Sein Ziel ist es die Gesellschaft zum Umdenken zu bringen indem er uns viel mehr mit den Opfern und Überlebenden beschäftigen lässt statt mit den Täter*innen. Wir interessieren uns immer für die Täter*innen, doch was ist mit den Opfern und Überlebenden? Dass dies so ist, ist ein kollektives Fehlverhalten dieser Gesellschaft, der Medien und der Politik. Dies ist zu ändern. Genau diese Lücke in der Gesellschaft versucht Ibrahim Arslan mit seinen Vorträgen und seinem Widerstand zu füllen: „Opfer und Überlebende sind keine Statisten, sie sind die Hauptzeug*innen des Geschehenen“ – Ibrahim Arslan

Zur Person: Ibrahim Arslan ist Opfer und Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Aktivist und mitwirkende Person beim Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Botschafter für Demokratie und Toleranz.

Termin: 16.11.2020, 18:00-20:00 Uhr

Hinweis: Dieser Vortrag wird simultan gedolmetscht (Deutsche Gebärdensprache-Deutsche Lautsprache)

Treffen sich zwei Schwarze, fette Menschen und reden über ihre Bäuche

Klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes? Nö! Hier soll ein wichtiger und seltener Einblick zu Begehren und Spaß, Bewegung und Unterdrückungsstrukturen, Privilegien und Zugang, zu Ressourcen, Förderungen und Forderungen gewährt werden. Christelle & Ama führen einen Dialog zu den Intersektionen von Blackness & Fatness, Begehren & Respektabilität und den Auswirkungen derselbigen auf verschiedensten Ebenen. Dabei soll Begehren & Respektabilität weit gefasst verstanden werden, was heißt, nicht nur auf Dating/Liebe/Sexualität, sondern auch auf Forderung/Förderung in Bildung & Gesundheit und insgesamt auf die vielen Facetten des Da-Seins gemünzt.

Zu den Personen:

Ama Toyou (Twitter: @hrmpfm) ist eine Lightskinned Schwarze queere trans* Person mit Behinderungen und beschäftigt sich (un)gern mit Verbindungen von Schwarzsein, Queerness & Fettsein auch in Verbindung mit Behinderungen. Amas Fokus liegt dabei auf Verbindungen & Kontinuitäten. Ansonsten mag Ama Popkultur und Elefanten.

Christelle Nkwendja (Insta: @nkweeny) ist eine Darkskinned Schwarze, able-bodied, hetero cis-Frau. Verbunden mit Schwarzen Bewegungen in Deutschland befasst sie sich seit einiger Zeit aus einer aktivistischen, intersektionalen und emotionalen Perspektive mit Themen rund um Fat-Acceptance. Mit Lizzo und Lasagne zauberst du ihr ein Lächeln ins Gesicht.

Termin: 11.11.2020, 18:00-20:00 Uhr

Termine im Wintersemester 2020/21

11.11.2020, 18:00-20:00 Uhr
Treffen sich zwei Schwarze, fette Menschen und reden über ihre Bäuche
Ama Toyou & Christelle Nkwendja, Aktivist*innen
16.11.2020, 18:00-20:00 Uhr
Kontinuierlicher Rassismus seit den 80ern aus Perspektive der Betroffenen
Ibrahim Arslan, Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Aktivist, mitwirkende Person beim Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Botschafter für Demokratie und Toleranz
24.11.2020, 18:00-20:00 Uhr
Labor 89: Intersektionale Bewegungsgeschichte/n aus West und Ost
Peggy Piesche, Aktivistin und Referentin für Diversität, Intersektionalität und Dekolonialität (D.I.D) bei der Bundeszentrale für politische Bildung
30.11.2020, 18:00-20:00 Uhr
Diversitätssensibilität. Die Erweiterung der Professionskompetenz von (angehenden) Lehrer*innen
Prof. Dr. Karim Fereidooni, Juniorprofessor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum
16.12.2020, 18:00-20:00 Uhr
Diskriminierungskritische Bildung – ein Einblick
Saraya Gomis, Lehrende und Lernende, Bildungsaktivistin, ehrenamtlich bei EOTO – Each one teach one aktiv
05.01.2021 18:00-20:00 Uhr
Vielfalt im Kinderzimmer
Tebogo Nimindé-Dundadengar (B.Sc. Psychologie) & Olaolu Fajembola (M.A. Kulturwissenschaften), Gründerinnen von tebalou.de
12.01.2021, 18:00-20:00 Uhr
Die globale Verfestigung von weißen Privilegien
Senfo Tonkam, Community-Aktivist und Gründer der „Black Nation in Babylon-Germany“ und des Vereins „AFRICA UNITED SPORTS CLUB e.V.“
21.01.2021, 18:00-21:00 Uhr
Filmvorführung „RomaStories“ und Gespräch im Anschluss
mit Stella Tsianios (Pädagogin), Babak Bataghva (Filmregisseur) und Marko D. Knudsen (Schulsozialpädagoge)
28.01.2021, 18:00-20:00 Uhr
Subjekt – die Ordnung – das Lieben
Prof. Dr. Paul Mecheril, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Migration an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld
04.02.21, 18:00-20:00 Uhr
Antiziganismus erkennen, verstehen und begegnen im Bildungsbereich
Marko D. Knudsen, Gründer des Europäischen Zentrum für Antiziganismusforschung, Vorsitzender des Bildungsvereins der Roma zu Hamburg e.V., Schulsozialpädagoge für das ReBBZ Hamburg, Roma und Sinti Beauftragter

Neues Lehrangebot im Projekt EngföLe

Liebe Interessierte,

leider wird das Studienprogramm „Refugees welcome – aber wie? Engagiert für Menschen mit Fluchterfahrung“ vorerst nicht fortgesetzt. Im Projekt “Engagementförderung durch universitäre Lehre” werden aber weiterhin Lehrveranstaltungen im Studium Generale/freien Wahlbereich angeboten.

Seit dem Sommersemester 2020 können Sie das Projektseminar „Ziviles Engagement und Studium verbinden“ besuchen (LV-Nr. 50-004, 5 ECTS). Schauen Sie doch mal auf dem Blog vorbei: https://civic-engagement.blogs.uni-hamburg.de/.

Im Wintersemester 2020/21 finden zudem zwei Lehrveranstaltungen in Kooperation mit der „Initiative Bildung Macht Rassismus“ statt:

  • „Bildung Macht Rassismus. Vortragsreihe zur Stärkung rassismuskritischen Denkens und Handelns an der Universität“ (LV-Nr. 50-002, 2 ECTS)
  • „Bildung Macht Rassismus. Projektseminar zur Stärkung rassismuskritischen Denkens und Handelns an der Universität“ (LV-Nr. 50-003, 5 ECTS)

Ich würde mich freuen, einige bekannte Gesichter wiederzusehen. Fragen zu den Studienangeboten sind jederzeit willkommen: cornelia.springer@uni-hamburg.de

Eine angenehme vorlesungsfreie Zeit!

Herzlich

Cornelia Springer